
Strahlen CD/LP 1998
Mensch
In jedem Stein da schlägt ein Herz · In jedem Ernst lauert ein Scherz · In jedem Laden schleicht ein Dieb · In jedem Hass wartet ein „Ich hab Dich lieb" · Bist Du Mensch oder Maschine · Läuft Dein Leben ab nach Plan · Kannst Du Handeln ohne Worte · Stinkt ein Unrecht Dich noch an · Schwarz und weiß wird selten bunt · Und manches ja wird mal zum nein · Kommen Träume auf den Hund · Stehst Du endlich da allein
Störung
Du kannst mich nicht hören, Du kannst mich nicht sehen · Doch wenn du etwas sagst kann ich es verstehen · Ich zeichne es auf und analysier' · Jede Bemerkung und Regung von Dir · Mit wem Du Dich triffst oder telefonierst · Mit wem Du in Kneipen herumdiskutierst · Welche Filme Du siehst, welche Bücher Du liest · Welche Pläne Du spinnst, welche Drogen Du nimmst · Denn Typen wie Dich, die kennen wir schon · Die riechen nach Störung und Provokation · Das wäre ja noch schöner, wo kämen wir den hin · Wenn jeder sich das Recht auf freie Meinung rausnimmt · Die Arbeit die ich mache ist nicht gerade populär · Das weiß ich genau und bedaure es sehr · Und die Miesmacher sind solche Typen wie Du · Deshalb schleich ich Dir nach, deshalb hör ich Dir zu · Und irgendwann reicht dann mein kleines Archiv · Genug Material gegen Typen wie Dich · Dann greifen wir zu und sperren Dich weg · Denn Ordung ist wichtig und Sicherheit zählt · Denn Typen wie Dich...
Irgendwann
Die Sonne schickt vom Himmel ihre Strahlen heiß und hell · Und ich kneife mit den Augen, denn das Licht ist so grell · Ich versuche zu erkennen, wohin soll ich jetzt gehen · Doch so sehr ich mich mühe, ich kann einfach nichts sehen · Und ich dachte, irgendwann fängt mein Leben richtig an · Doch es ging nur einfach weiter · Ja , ich dachte, irgendwann bekommt mein Leben einen Plan · Ein Ziel, 'ne Richtung, einen Sinn · Das Leben zieht vorbei wie im Theater ein Stück · Und manchmal fühle ich mich wohl, das ist noch lange kein Glück · Und da ist diese Stimme, sie ruft „Komm doch nach Haus!" · Doch ich mag noch nicht gehen, und ich halte noch aus · Und ich dachte, irgendwann...wo komm ich her, wo geh ich hin · Und da bist auch noch Du, und Du bist gerade hier · Sitzt mir gegenüber und bist doch nicht bei mir · Und ich höre Deine Stimme, und daß Du sprichst kann ich sehen · Doch ich erkenne keine Worte, und kann Dich nicht verstehen · Und ich dachte, irgendwann...wo komm ich her, wo geh ich hin
Radio
Ich sitz' vor meinem Radio und lausche ganz gebannt · Die Frau, die dort die Songs ansagt, die hat mich in der Hand · Ihre Stimme sie erinnert mich - ich weiß genau an wen · Sie reißt dabei mein Herz entzwei und trotzdem ist es schön · Geh nicht weg, bitte, bitte geh nicht weg · Red noch ein bißchen weiter · Denn Du klingst so wie sie · Und ich vergesse sie nie · Geh nicht weg, bitte, bitte geh nicht weg · Bleib noch ein bißchen hier · Laß mich noch nicht alleine nur mit mir · Viel Zeit ist vergangen, so manches wilde Jahr · Und trotzdem kommt es mir jetzt vor, als ob es gestern war · Ich sehe sie deutlich vor mir, Ihre Augen Ihr Gesicht · jetzt sagt sie schon "Auf Wiedersehen", ach bitte geh noch nicht · Geh nicht weg... · Ich möchte gern wissen was sie tut und wo sie gerade ist · Und ob sie mich gelegentlich genauso doll vermißt · Ich würde was dafür geben, sie einmal noch zu sehen · Ihr noch einmal wie früher gegenüber zu stehen · Geh nicht weg...
Kalt und heiß
Fernsehen ist nicht Weitblick und menschlich nicht human · Ein Foto ist kein Feindbild und eine Hoffnung noch kein Plan · Hören heißt noch nicht verstehen und Rücksicht nicht nach hinten sehen · Doch merkst Du nicht, wie mit der Zeit sich alle Fahnen windwärts drehen · Hörst Du eine Stimme, die leise zu Dir spricht · In Wahrheit hat das Leben mehr als ein Gesicht · Denn kalt ist nicht noch Kaffee und nicht nur Eisen heiß · Das Leben kann so bunt sein zwischen schwarz und weiß · Sich auseinandersetzen heißt auf Dinge zuzugehen · Leben lassen läßt das Rad sich auch nicht leichter drehen · Aber wenn Du dann weitergehst, kucken sie nur dumm · Mitten in der Dunkelheit scheint ein kleines Licht · Stelle Dich dem Leben, zeig' ihm Dein Gesicht...
Herbst
Der Wind weht gelbe Blätter durch die Luft · Die Zeit vertilgt, was sie einst selber schuf · Du sitzt in Deinem Zimmer ganz allein · Gräbst Dich in die Erinnerungen ein · Nichts was Du gern wolltest ist heut wahr · Die Sehnsucht, die ist größer noch sogar · Tausend Fragen, tausend Ängste, immer mehr · Die Zeit rennt weg, und Du läufst hinterher · Und Du wühlst in alten Fotos und hoffst Dich selbst zu sehen · Wenn Deine letzten Träume gehen · Was Du haben wolltest ist noch immer fern · Was Du kriegen konntest nahmst Du doch nicht gern · Was Du wissen wolltest hast Du nie kapiert · Und was wichtig war hat Dich nie interessiert · Und die guten Zeiten waren dünn gesät · Ihr Glück durch das Alleinsein weggefegt · Du wolltest immer nur Du selber sein · Und stellst Dich noch zu leicht auf andere Menschen ein · Keine aufmunternden Worte machen etwas ungeschehen · Wenn Deine letzten Träume gehen
Automatenwelt
Fröhlich sind die Automaten in Ihrer Automatenwelt · Automatische Erfassung, automatisch abgezählt · Jede Handlung programmiert, die Stechuhr gibt den Lebenstakt · Doch fröhlich sind die Automaten in Ihrem Automatenstaat · Herzlich Willkommen im Land der Maschinen · Wo nicht die Technik uns, wo wir der Technik dienen · Hier sind alle kleine Räder, drehen sich fleißig für das System · Keiner hat Persönlichkeit, ein Teil ersetzen, kein Problem · Unermüdlich geht es voran, alle laufen Hand in Hand · Denn fröhlich sind die Automaten in ihrem Automatenland · Herzlich Willkommen... · Niemand ist bei uns allein, alle haben dasselbe Ziel · Im Gleichschritt geht es schnell voran, denn Automaten leisten viel · Vierundzwanzig Stunden täglich, ein jeder seinen Rhytmus hält · Denn fröhlich sind die Automaten in ihrer Automatenwelt
Was Ist Los
He, he, stop, mach mal halblang, jetzt mach mal nicht so fix · Was willst Du mir denn hier erzählen, ich begreife davon nichts · Bist Du der, der mir erklärt, in welche Richtung ich mich drehe · Wohin ich mich heute wende und wohin ich morgen gehe · Also komm, mach Dich locker, und laß endlich alles raus · Wie soll ich sein, was soll ich sagen, seh' ich angemessen aus · Gib mir schwarz, gib mir weiß, gib mir ja, gib mir nein, · Was soll ich tun, was darf ich sagen, und was laß ich lieber sein · Ich bin nicht Du, ich bin ich selber, mensch begreif es doch · Und steck Dir Deinen Zeigefinger in Dein eigenes Loch · Was ist los hier, Mensch was soll denn das · Komm steck Dir Deinen Finger in den eigenen Arsch · Ständig kommen Leute an, von hier und da und dort · und sie legen auf die Waage jedes noch so kleine Wort · Fragen dieses oder jenes, leichtes oder unbequemes · Sagen jenes oder dieses, mal was nettes mal was mieses · Doch das ist nicht, was ich meine, denn das weiß ich ganz alleine · Was mich stört, sind die Leute, die uns sagen wollen · Was wir tun dürfen, was wir lieber lassen sollen · Denn alles kann ich nicht bewegen, und ich hab' auch nur ein Leben · Und ich nehme was ich kriege und versuche auch zu geben · Und ich suche mir meinen Weg doch viel lieber ganz allein · Also bitte bitte bitte bitte, red' mir da nicht rein · Was ist los hier...
Wut
Vollbepackt mit tollen Sachen, die das Leben schöner machen · hinein ins Wochenendgefühl, raus aus dem täglichen Gewühl · Auf Kaperfahrt im Supermarkt, allwöchentliche Schnäppchenjagd · Und jetzt stellst Du Dich vor mich hin · Und Du fragst ich, warum ich so traurig bin · Das kotzt mich an, das finde ich Scheiße · Das geht mir ganz gehörig auf den Geist · Das find' ich blöd, vollkommen ätzend · Und ich möchte auch, daß Du das jetzt begreifst · Denn so wie ich die Sache seh' bleibt doch alles so bestehen · Wird sich überhaupt nichts ändern wird hier gar nichts mehr geschehen · Und auf welchem Flecken dieser Welt das Zeug auch immer hergestellt · Um welchen Preis, für welchen Lohn, Befriedigung einer Nation · Und jetzt stellst Du dich vor mich hin · Und Du fragst mich, warum ich so wütend bin · Das kotzt mich an... · Ja, und auch ich bin viel zu häufig nicht bereit · Viel zu leicht vertauscht sich Konsequenz gegen Bequemlichkeit · Aber nichts auf dieser Erde erfüllt mich mehr mit Wut · As wenn ich irgendetwas tu', von dem ich weiß, es ist nicht gut · Und jetzt stellst Du Dich vor mich hin · Und Du fragst mich, warum ich so ratlos bin · Das kotzt mich an...
Nossi
Weit, weit weg, zu Asche verbrannt · Letzte Reise vollbracht in's Niemandsland · Längst schon vergangen des Lebens Feste · Auseinanderseziert die Überreste · Wenn ein Träumer wie Du an der Welt zerbricht · Wird es kalt um uns und es dämmert das Licht · Woher nahmst Du die Kraft, den Mut noch zu haben · Das Ganze zu wollen, doch nur die Reste zu schaben · Immer wieder auf der Suche nach dem Ausweg dieses Lebens · Immer höher, immer weiter, immer gleich, und meist vergebens · Künstliches Feuer, um Wärme zu spenden · Im Gift war noch Blut bis zum bitteren Verenden · Am Anfang die Flasche und immer weiter probiert · Angst und Tod bleiben Sieger und das Leben verliert · Irgendwann hab' ich von Dir nur noch selten was gehört · Ein jeder ging so seine Wege doch das hat mich nicht gestört · Du warst uns schon fremd, bevor du gegangen · In einem Käfig aus Glas hast Du Dich eingefangen · Woher nahmst Du die Kraft, den Mut noch zu haben · Das Ganze zu wollen, doch nur die Reste zu schaben · Immer wieder auf der Suche nach dem Ausweg dieses Lebens · Immer höher, immer weiter, immer gleich, und meist vergebens · Du Zeigtest bis zum Ende dem Leben noch die Zähne · Doch jetzt leider ohne Sinn sind Deine letzten Pläne · Unvollständige Steine, Mosaik eines Lebens · Deren Farben verblassen, war nun alles vergebens? · Wenn ein Träumer wie Du an der Welt zerbricht · Wird es alt um uns und es dämmert das Licht · Was sind fünfundzwanzig Jahre in ewigen Zeiten · Aucht eine Seele nun Ruhe in verlorenen Weiten? · Ach Nossi, weißt Du was, laß uns tanzen immer weiter · So wie damals, als wir lebten unbeschreiblich wild und heiter · Hast Du es manchmal gespürt, daß nichts bleibt, wie es war? · Wann kam die Angst zu Dir und wurd' es kälter Jahr für Jahr? · Hast Du es manchmal gespürt, daß nichts bleibt, wie es war? · Wann kam die Angst zu Dir und wurd' es kälter Jahr für Jahr? · Immer wieder auf der Suche nach dem Ausweg dieses Lebens · Immer höher, immer weiter...
Sklave
Montagmorgen, fünf Uhr früh, der Wecker klingelt grell · Good Morning singt das Radio, es ist lange noch nicht hell · In der vollen Straßenbahn dieselbe drängelei · Im Laufschritt gehts dann ins Büro, und Du sagst, Du fühlst Dich frei · Doch Du bist nur ein Sklave und Du wirst es immer sein · Ja, Du bist nur ein Sklave, warum siehst Du das nicht ein · Du bist nur ein Wassertropfen, kannst nichts ändern hier auf Erden · Doch aus vielen Wassertropfen können Wasserfälle werden · Deinen Chef kannst Du nicht ausstehen, doch zum Grüßen stehst Du auf · Lächeln bis zum Feierabende, jetzt aber nichts wie raus · Deine Frau und Deine Kinder warten schon zu Haus auf Dich · So geht das schon seit Jahren, doch das stört Dich nicht · Du spürst die Ketten nicht · Keine Schläge ins Gesicht · Nach außen wirkst Du frei · Moderne Sklaverei
Die Kugel
2001 - Das Jahrtausend hat begonnen · In Richtug Wohlstandswelt ziehen hungernde Kolonnen · 2010 - Eine Welt voll Gewalt · Kriege, Terror, Morde, Töten ohne Halt · Schau in die Kugel, das Bild Deiner Sorgen · Deine Angst von heute ist die Welt von Morgen · 2020 - Die Jahre sind vergangen · Schwefelgelbe Dämpfe halten Dich gefangen · 2030 - Geklonte Herrenrasse · Wer nicht pariert wird ausradiert, versklavte Biomasse · 2040 - Das Thermometer ist gestiegen · Über Menschen, Tiere, Pflanze wird die Hitze siegen · 2050 - Ein atomares Beben · Ein Supergau im All beendet alles Leben
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